M/Y IAN wurde auf der Ängholmens-Werft in Långedrag gebaut, am Eingang zum südlichen Schärengarten von Göteborg. Der Ort hat eine lange maritime Geschichte, mit Wurzeln im Lotsenwesen und einer Produktion, die von Arbeits- und Lotsenbooten bis zu Schärenkreuzern und größeren Motoryachten reichte.
Für IANs Geschichte ist die Werft kein Hintergrunddetail, sondern Teil der Identität des Bootes. C.G. Pettersson zeichnete sie, aber auf Ängholmen wurde aus der Zeichnung ein Rumpf, ein Deck, ein Aufbau und eine fertige Motoryacht.
Von der Lotsenwerft zur Holzbootwerft
Die Ängholmens-Werft wurde Mitte des 19. Jahrhunderts vom Lotsenwesen gegründet. Ab 1905 gehörte sie den Lotsen der Lotsenstation Ängholmen, die die AB Ängholmens Varv bildeten. In den frühen Jahren wurden vor allem kleinere Holzboote gebaut, darunter Lotsen- und Rettungsboote. Dieses Handwerk, Boote, die Wetter aushalten und oft genutzt werden mussten, bildete eine solide Grundlage, als die Werft später verfeinerte Freizeitboote baute.

Ängholmen lag auch am richtigen Ort. Långedrag war schon um 1900 ein wichtiges Umfeld für Segeln und Bootsleben, und als Göteborg nach Westen wuchs, wurde die Gegend zunehmend mit Baden, Segeln und Sommerleben verbunden.
Janne Jacobsson und das Sternboot
Eine der wichtigsten Personen in der Geschichte der Werft war der Bootsbauer und Konstrukteur Janne Jacobsson, Werkmeister der Werft. 1913 entwarf und baute er das Jugendboot Joyce für den Königlichen Segelverein Göteborg. Joyce wurde später zum Vorbild für das Sternboot (Stjärnbåten), eine der langlebigsten schwedischen Einheitsklassen, und 1927 bestellte der Verein zwanzig Boote nach ihren Linien.

DigitaltMuseum beschreibt Ängholmens Bootswerft als eine der Werften, die viele Schärenkreuzer bauten, mit 15–55-qm-Yachten in der Zeit von 1910 bis 1940. Schärenkreuzer und gut gebaute Einheitsboote verlangten Präzision: Sie mussten leicht, stark und formtreu sein.

Die Breite der Produktion
Ängholmen baute nicht nur Segelboote. In den 1910er Jahren wurden auch größere Fischerboote gebaut, und die Werft hatte Verbindungen zu exklusiveren Konstruktionen. Die Motoryacht Matchless wurde 1916 als Trollet auf der Werft für Direktor Harald Holmberg von der Göteborger Zündholzfabrik gebaut, mit Janne Jacobsson als Konstrukteur. Das ergibt das Bild einer Werft von großer Breite: robuste Arbeitsboote, leichtere Regattaboote, Schärenkreuzer und größere Motorboote.
Eine Zeit des Wandels
In den 1910er und 1920er Jahren wechselte die Werft mehrmals Eigentümer und Form. 1917 verkaufte Karl Rudolf die Aktienmehrheit an Ivar Lignell, und ab 1920 wurde ein Teil der Werft an Adolf Lager verpachtet. 1924 wurde beschlossen, das Unternehmen zu liquidieren, was erst 1929 abgeschlossen wurde.
IAN wurde also in einer Übergangszeit gebaut. Sie entstand 1928, gerade als sich die ältere Gesellschaftsstruktur ihrem Ende näherte und bevor Adolf Lager 1931 den Betrieb unter dem Namen Ängholmens Yacht & Motorbåtsvarv übernahm. Ihr Baujahr fällt mit dem Ende des Booms der 1920er Jahre zusammen.

IAN wird auf Ängholmen gebaut
Als H.G. Turitz IAN in Auftrag gab, war die Wahl der Ängholmens-Werft naheliegend. Die Werft lag im Bootsumfeld Göteborgs, nahe Långedrag und Saltholmen, und hatte Erfahrung im anspruchsvollen Holzbootbau. C.G. Pettersson zeichnete Boote für viele Werften, aber nicht alle hatten die gleichen Voraussetzungen, eine größere Mahagoniyacht mit der nötigen Präzision zu bauen.
IAN war gut zwölf Meter lang, kraweelgebaut und ganz aus Mahagoni, mit Aufbau, Salon, Pantry, Kojen und Maschinenraum. Zeitgenössische Angaben nennen einen kräftigen sechszylindrigen Sterling-Motor mit 150 PS und eine Probefahrt von fast 20 Knoten. Ein Linienriss wird erst dann ein gutes Boot, wenn Planken, Spanten, Kiel, Decksbalken und Aufbau in der Wirklichkeit zusammengefügt sind. Die Bootsbauer von Ängholmen waren das praktische Bindeglied zwischen Petterssons Reißbrett und der fertigen IAN.
SINGUN und die fortgesetzte Pettersson-Verbindung
Ängholmen baute weiterhin Boote mit starker Verbindung zur klassischen schwedischen Bootsgeschichte. Ein Beispiel ist SINGUN, ein von C.G. Pettersson entworfener ketschgetakelter Außenschären-Motorkreuzer aus Mahagoni, 1934 auf der Ängholmens Yacht- och Motorbåtsvarv gebaut, der 2025 mit dem MYS-Historic-Classic-Wanderpreis Svanhalsen ausgezeichnet wurde. IAN war also keine einzelne Pettersson-Konstruktion auf der Werft.

Ängholmen heute
Heute ist die Ängholmens-Werft keine traditionelle Holzbootwerft mehr, sondern wird als Marina mit Liegeplätzen, Winterlager und Kleinbootservice betrieben. Aber die Geschichte bleibt. Ängholmen ist noch immer ein maritimer Ort, an dem sich Lotsen, Bootsbauer, Konstrukteure, Segler und später der Marinabetrieb über lange Zeit abgelöst haben.
Die Bedeutung der Werft für IAN
C.G. Pettersson zeichnete viele Boote, und mehrere Werften bauten seine Konstruktionen, aber jede Werft gab dem Boot auch seine praktische Form. Es waren die Hände der Bootsbauer, die bestimmten, wie die Zeichnung in Holz umgesetzt wurde, und ihr Urteil über Holz, Passung und Befestigungen, das bestimmte, wie lange das Boot halten würde.
Dass IAN fast hundert Jahre später noch existiert, liegt nicht nur an späteren Restaurierungen, sondern auch daran, dass die Grundarbeit gut genug war, um ein langes Leben zu überstehen. IANs Geschichte beginnt nicht erst mit ihrem Stapellauf. Sie beginnt am Reißbrett von C.G. Pettersson und setzt sich auf der Helling in Ängholmen fort, wo das Mahagoni zu dem Rumpf geformt wurde, der sie noch immer trägt.
